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Fokus Alltag - ein ruhiger April in Kenia

  • Autorenbild: Fahrni Nicole
    Fahrni Nicole
  • 30. Apr. 2025
  • 6 Min. Lesezeit


Dieses Wawili-Barabarani-Update liess ein bisschen auf sich warten. Nicht, weil keine Zeit gewesen wäre – die gab’s. Sondern weil ich lange gar nicht so recht wusste, was überhaupt zu erzählen wäre.

«Wir haben ja gar nicht so viel erlebt», dachte ich. Und irgendwie stimmt das. Zumindest, wenn man Erlebnisse an Kilometern misst. Oder an Orten, die man zum ersten Mal sieht.

In diesem Sinne: April war still. Kein neues Safari-Highlight. Kein Roadtrip ins Unbekannte. Kein «Wow-Moment» mit Ausrufezeichen.

 

Die ersten zwei Monate in Kenia waren ein Feuerwerk. Jede Begegnung ein «Whoa». Jeder Ort ein «Noch nie gesehen.» Neues Land, neue Leute. Alles neu, alles gross.

Jetzt? Jetzt ist vieles schon vertraut. Nicht langweilig – einfach leiser.

Passend zur Regenzeit war unser April ruhig, weichgespült, beinahe unsichtbar. Unser Fokus hat sich verschoben. Vom Suchen nach Highlights hin zum Wahrnehmen der Zwischentöne. Vom Actionprogramm zum sanften Verweilen.

Und in dieser Verschiebung ist etwas passiert: eine andere Art von Nähe hat sich aufgebaut. Zum Land. Zum Alltag. Zueinander.

Wie eine Blume, die im Regen fast unmerklich gewachsen ist. Und einen dann plötzlich anstrahlt.

 

Es ist der feine Unterschied zwischen Ferien und Leben. Wenn du ein Jahr in Kenia verbringst, kannst du nicht jeden Tag Giraffen gucken oder Vulkane hochrennen. Man muss auch mal…einkaufen, abwaschen, an Steuererklärungen verzweifeln. All diese alltäglichen, nicht ganz so «instagrammable» Dinge.

Aber genau dort – zwischen Pizzateig kneten und Wäsche aufhängen – beginnt es: dieses kleine, schleichende Gefühl von Zuhause.

Man läuft manchmal Gefahr, es zu übersehen – das Alltägliche.  

Der Körper ist noch Montag, der Kopf längst beim nächsten Wochenendtrip. Der Fokus vorne, das Hier und Jetzt dagegen unscharf.  

Das fand ich hier in Kenia anfangs besonders schwierig. Weil es so viel Neues und Unbekanntes zu entdecken gab.

 

Der Entdeckungsdrang ist nicht weg. Die Neugier nicht verschwunden. Aber vorübergehend leiser gestellt. Der April war unser bewusst gewähltes Wellental.

Zwischen Wellenbergen aus Aufbruch, Neuland und Fotohighlights.

Im April haben wir Platz gemacht für das Alltägliche. Und das war gut. Das war schön. Wir haben Raum geschaffen, um kleine Perlen zu entdecken, die sich nur zeigen, wenn man lange genug hinschaut. Raum, um Routinen aufzubauen, die einen erden.

Raum für das Einfache. Für das Wiederkehrende. Für das scheinbar Unspektakuläre. Kein weltbewegendes Programm, keine wilden Pläne. Nur das Leben, wie es eben passiert.

 

Der März war noch anders. Schön – aber intensiv. Besuch folgte auf Besuch, und unser Haus verwandelte sich in eine gesellige kleine Wohngemeinschaft.

Den Auftakt unserer März-Besuchswelle machten Lina und Ben. Zwei, die beschlossen haben: Wir radeln von Kenia nach Südafrika. Mega!

Nach ihrer ersten Etappe – Nairobi bis Nanyuki – durften wir ihre erste kleine Homebase sein, bevor das grosse Abenteuer richtig losging. In Nanyuki stiess kurzzeitig noch Ben's Vater Ollie dazu, und gemeinsam gingen sie auf den Mt. Kenya: vier Tage wandern, hoch hinaus, dann wieder runter – und zurück zu uns. Kurzer Boxenstopp: Duschen, Wäsche waschen, Durchatmen. Dann rollten sie weiter. Das Ziel: Lake Turkana.

 

Während sie sich durch Hitze und Sand nach Norden kämpften, fuhren Lorenz und ich Richtung Südwesten – ein spontaner Wochenendtrip zum Lake Naivasha. Volltreffer! Das Crater Lake Tended Camp (unsere kurzfristig gebuchte Unterkunft) entpuppte sich als idyllisches Plätzchen am Wasser, mit Schaukelstühlen vor dem Zelt und Giraffen in Sichtweite. Dazu rundum Möglichkeiten zum Wandern. Top!

Am Montag waren wir wieder zurück in Nanyuki. Und Lina und Ben? Die auch. Ihr Turkana-Plan war an der Mischung aus mörderischer Hitze, Sandpisten wie Treibsand und Reifenpannen in Serie gescheitert. Also: Planänderung und kurzfristiger Rückzug nach Nanyuki.

 

Kaum waren Lina und Ben zurück, wurde unser Haus endgültig zur WG. Am Sonntag kamen Marcel und Tim aus der Schweiz. Das Timing war perfekt, denn Ben brauchte einen neuen Fahrradreifen, den Marcel unmittelbar vor dem Abflug in Bern noch organisieren konnte. Plötzlich war jedes Gästezimmer belegt: drei Zimmer, vier Gäste. Das Bialetti glühte, die Klospülung ebenfalls. Dazwischen feierten wir noch eine kleine Housewarming-Party: Das WyssAcademy-Team war da, mit BBQ, Bier und allem, was zu einer gelungenen Einweihung gehört.

Die Peak-Belegung im Hotel NiLo blieb allerdings nur kurz: Ben und Lina sattelten bald wieder ihre Fahrräder und machten sich erneut auf den Weg – diesmal Richtung Westen. Inzwischen sind sie übrigens in Ruanda. (Wer ihr Abenteuer mitverfolgen will: www.benhikes.eu).

Danach waren wir «nur» noch zu viert – allerdings 3:1 für Team Wyss Academy. Und weil die Gespräche aus dem Arbeitsalltag auch nach Feierabend munter weiterplätscherten, wusste ich bald bestens Bescheid über alle Projekte und Themen aus dem Büro.

Dazwischen blieb aber auch Zeit für etwas Safari-Feeling: ein Wochenendtrip nach Buffalo Springs. Da sah ich zum ersten Mal zwei der hier heimischen Grosswildkatzen – Gepard und Leopard. Wow!


Ihr seht: Unser März war bunt. Wir genossen die Bern Vibes. 😊Und natürlich den feinen Schweizer Käse sowie die Schoggi, die uns die Berner Kollegen mitgebracht hatten. Mmmh, merci!


Rückblende auf März: Ein bunter und erlebnisreicher Monat mit Besuch und Safari-Trips.

 

Aber dann kam der April. Den Übergang von März zu April verbrachten wir in Nairobi. Wegen unserer Visa-Geschichte – die ist eben etwas kompliziert, weil Lorenz und ich nicht verheiratet sind (auch im Jahr 2025 in den Augen der Behörden offenbar kein valider Lebensentwurf - jedenfalls gibt's kein passendes Feld zum Ankreuzen im Visumsantragsformular. Ein Hoch auf die Bürokratie und die Institution Ehe. Yuval Noah Harari haben vermutlich die Ohren geklingelt, haha). Also reisten wir zu den Anwälten nach Nairobi und nutzten auch gleich die Mitfahrgelegenheit, da Tim ohnehin vor seinem Rückflug in die Schweiz zurück nach Nairobi musste.

Nairobi war unser Übergang. Von März zu April. Von WG zu «zwei allein Zuhaus», von «viel los» zu «kein Programm». Mit Beginn von April kam ein Bedürfnis nach Stille. Nach Alltag. Nach Durchschnaufen. Wie der erste Atemzug nach einem langen Tauchgang – das Tauchen war schön, aber das Luftholen danach eben auch. Oder wie ich immer zu sagen pflege: Die Pause gehört eben auch zum Rhythmus :D

 

Der April – unser Wellental. Mit Raum für Alltägliches. Für uns.

Ich habe Fahrt aufgenommen mit Swahili-Lernen. Einmal die Woche übe ich mit Stellah. Neben neuen Vokabeln bekomme ich auch spannende Einblicke in eine ganz andere Lebenswelt. Ein paarmal pro Woche gehen Lorenz und ich zum Fitnesstrainer Isaac ins Cross Fit. Eine Stunde Vollgas – der perfekte Start in den Tag. Nach dem Training gibt's jeweils ne eiskalte Dusche und dann einen feinen Cappuccino. Nach dem Samstagmorgentraining geniessen wir diesen jeweils gemeinsam mit der Fitnessgruppe, unter der Woche nehmen wir ihn "to-go". Dann begleite ich Lorenz manchmal ins Office. Dort gibt es meistens genügend leere Arbeitsplätze und viele freundliche Gesichter.

Ich klappe meinen Laptop auf, Lorenz geht in Meetings. Ich schreibe, erledige Dinge oder unterrichte online. Zwischendurch ein kurzer Schwatz neben der Kaffeemaschine. Mittags geh’ts manchmal ins Sotet (das lokale Restaurant im Quartier), und in den Pausen am Nachmittag schmieden wir Pläne, wie wir die reifen Mangos vom Baum holen könnten. Die vielen Früchte hier in Kenia sind echt ein Highlight!

 

Seit Kurzem bin ich auch in einem Buchclub. In unserem Quartier hat ein kleiner Buchladen aufgemacht – mit Buch des Monats und Diskussionsrunden bei Tee. Ich habe Bücher als Brückenbauer entlarvt – sie führen zu Gesprächen, die tiefer gehen als Smalltalk und Hallo-Floskeln. Das tut gut.

Das ist nämlich etwas, das Lorenz und ich als Herausforderung am Leben in einem "fremden" Land entlarvt haben: Kontakte knüpfen geht schnell. Aber auf die nächste Ebene kommen - jenseits von Nettigkeiten und alltäglicher Plauderei - das geht nicht ganz so schnell. Dann fehlen einem manchmal die tiefgründigeren Gespräche.

Das braucht wohl noch etwas Geduld. Oder eben eine Buchbesprechung :)

Wir bleiben dran.


Unser April - gemütlich, alltäglich und mit coolen Routinen und Alltagsgewohnheiten :)

 

In den letzten Wochen war unser Leben hier in Kenia nicht wahnsinnig spektakulär. Aber es hat Nuancen bekommen – und wir geniessen jede einzelne davon.

Im Mai stehen wieder grössere Ausflüge an: Neues, Unbekanntes, Entdecken. Wir freuen uns! Neugier re-set 😊Aber heute ist noch April. Draussen regnet es in Strömen. April ist hier der Monat mit den meisten Niederschlägen. Die «long-rains» sind da. Das passt. Regen verlangsamt. Regen löscht das Tempo. Wischt die Strassen leer. Macht die Zeit breiter.

Stromausfälle. Teezeit. Lesen. Gut so.


Das hier war der April in Kenia – ein sanfter, gemütlicher Takt, bevor das nächste Lied beginnt. Der April war kein Paukenschlag - eher ein leiser Refrain, der hängen bleibt.

 

 

 

 



1 Kommentar

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s.maegli
04. Mai 2025

Hallo ihr beiden Ich finde den Blog super geschrieben! Ich musste immer wieder schmunzeln, besonders beim Schoggi & Käse :) Freue mich schon auf das nächste Update! Grüsse aus Bern Simon

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